Geschichte des Backgammon: 5000 Jahre Spielgeschichte (2026)

Die komplette Geschichte des Backgammons von den ältesten Wurzeln über das Persische Reich, Rom und Arabien bis zur modernen Wettkampfszene. Archaeologie, Wandel und Aufstieg des Spiels erklärt.

Backgammon ist eines der ältesten Spiele der Menschheit. Über fünf Jahrtausende hinweg wurde es gespielt, adaptiert und weitergegeben – von persischen Höfen über arabische Bazare bis zu Londoner Clubs und modernen Onlineplattformen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Backgammon ist über 5.000 Jahre alt, mit Ursprüngen im alten Persien
  • Das Spiel verbreitete sich über die arabische Welt und den Handel nach Europa
  • Der Verdoppelungswürfel revolutionierte das moderne Spiel in den 1920er Jahren
  • In den 1970ern erlebte Backgammon einen Boom in High-Society-Kreisen
  • Heute ist Backgammon wieder im Aufstieg, getrieben von Online-Plattformen

Die ältesten Wurzeln (3000–500 v. Chr.)

Das persische Nard

Die ältesten bekannten Spielbretter, die Backgammon ähneln, wurden in Shahr-e Sookhteh (verbrannte Stadt) im heutigen Iran ausgegraben. Diese Bretter datieren auf etwa 3000 v. Chr. und enthielten Würfel aus Elfenbein sowie Spielsteine.

Das persische Spiel Nard gilt als direkter Vorläufer. Es nutzte bereits ein Brett mit Feldern, zwei Würfel und Spielsteine beider Spieler. Die Regeln unterschieden sich von modernem Backgammon, das Grundprinzip war ähnlich.

Mesopotamien und Ägypten

Auch im alten Mesopotamien (Sumer, Babylon) und Ägypten existierten Brettspiele mit vergleichbarer Mechanik. Das Königliche Spiel von Ur (ca. 2600 v. Chr.), ausgegraben im heutigen Irak, zeigt deutliche Ähnlichkeiten in der Brett- und Würfelstruktur.

Aus dem alten Ägypten ist das Spiel Senet bekannt – zwar kein direkter Vorläufer, aber Teil derselben Tradition von Würfelbrettspielen.

Die Antike: Rom und das Tabula-Spiel (500 v. Chr.–500 n. Chr.)

Die Römer spielten Tabula (oder „Ludus duodecim scriptorum"), ein Spiel mit 24 Feldern, drei Würfeln und 15 Steinen pro Spieler. Tabula war dem modernen Backgammon bereits sehr ähnlich, verwendete jedoch drei statt zwei Würfel.

Kaiser Claudius (10 v. Chr. – 54 n. Chr.) soll ein begeisterter Tabula-Spieler gewesen sein – ein früher Beleg für die gesellschaftliche Beliebtheit des Spiels.

Das Mittelalter: Arabische Welt und europäische Ausbreitung (500–1500)

Das arabische Nard

Nach dem Untergang Roms blieb das Spiel in der arabischen Welt lebendig. Das arabische Nard (نرد) entwickelte sich aus dem persischen Vorläufer und wurde in der gesamten islamischen Welt gespielt – trotz gelegentlicher religiöser Einwände gegen das Glücksspiel.

Ankunft in Europa

Mit den Kreuzzügen und dem intensiven Handel zwischen Orient und Okzident gelangte das Spiel im 11.–13. Jahrhundert nach Europa. In England wurde es als Tables bekannt, in Deutschland als Puff, in Spanien als Tablas Reales.

Im Jahr 1254 verbot König Ludwig IX. von Frankreich das Spielen von Tables im Zuge seiner Moralreformen – ein Hinweis auf die damalige Popularität.

Die Frühe Neuzeit: Verbreitung und Regelentwicklung (1500–1900)

Der Begriff „Backgammon"

Das englische Wort „Backgammon" taucht erstmals 1645 in englischen Texten auf. Die Etymologie ist unsicher: Manche leiten es vom Walisischen „bach" (klein) und „cammon" (Kampf) ab; andere vermuten einen Zusammenhang mit der Rückkehr-Mechanik des Spiels (Steine „kommen zurück" von der Bar).

Bücher und Standardisierung

Das 17. und 18. Jahrhundert brachte erste gedruckte Regelwerke. Edmond Hoyle (1672–1769), der britische Regelautor, veröffentlichte einflussreiche Anleitungen, die das Spiel in England standardisierten.

Das 20. Jahrhundert: Verdoppelungswürfel und Boom

Der Verdoppelungswürfel (ca. 1920er)

Die bedeutendste Regelinnovation der Neuzeit: Der Verdoppelungswürfel wurde in den 1920er Jahren eingeführt, wahrscheinlich in New York unter russisch-jüdischen Einwanderern. Er veränderte die Spielstrategie fundamental, da er taktische Einsatzentscheidungen in jede Partie integriert.

Der Backgammon-Boom der 1970er

In den 1960er und 1970er Jahren erlebte Backgammon einen explosiven Aufschwung. Der Amerikanische Oswald Jacoby – ein Weltklasse-Bridge- und Backgammonspieler – popularisierte das Spiel in gehobenen Gesellschaftskreisen. Turniere in Monaco und New York zogen Millionäre, Celebrities und professionelle Spieler an.

1976 wurde die World Backgammon Championship in Monte Carlo gegründet – noch heute das angesehenste Backgammon-Turnier der Welt.

Computersoftware und wissenschaftliche Analyse

In den 1990er Jahren veränderte Computersoftware das Spiel grundlegend. TD-Gammon (Gerald Tesauro, IBM, 1992) war ein neuronales Netz, das durch Selbstspiel zu Weltklasse-Niveau aufstieg. Moderne Programme wie Extreme Gammon und GNU Backgammon ermöglichen präzise Fehleranalyse.

Die Gegenwart: Online-Boom und globale Gemeinschaft

Online-Plattformen

Ab den 2000er Jahren explodierte die Online-Backgammon-Szene. Plattformen wie FIBS (First Internet Backgammon Server, seit 1992) und später Backgammon Galaxy ermöglichen globales Spiel und präzise Echtzeit-Analyse.

Backgammons Renaissance

In den 2020er Jahren erlebt Backgammon eine Rückkehr in die Popkultur. Luxuriöse handgefertigte Bretter werden als Designobjekte gehandelt. In Europa – besonders in der Türkei, Griechenland und Osteuropa – ist Backgammon nach wie vor Alltagskultur. Weltweit spielen geschätzt 300 Millionen Menschen Backgammon regelmäßig.

Backgammon als Kulturspiegel

Was macht Backgammon über 5.000 Jahre hinweg faszinierend? Das Spiel spiegelt eine universelle menschliche Faszination: die Spannung zwischen Zufall und Können. Jeder Würfelwurf bringt Ungewissheit; jede Entscheidung danach spiegelt den Geist des Spielers. Diese Kombination hat Backgammon durch Imperien, Religionen und Kulturen getragen – und tut es noch heute.